Aufsatz - Stahlbau Heft 4/2026
Seite: 280-288
Autoren: Lorenz, Werner, Schulte, Clara Jiva
DOI: 10.1002/stab.70118
Etwa 2500 Stahlbrücken im Netz der DB AG sind heute mehr als 100 Jahre alt und weisen ihrem Alter entsprechende Mängel und Schäden auf. Nach wie vor bestimmen vornehmlich technische und ökonomische Kriterien die Entscheidungsfindung über Erhalt oder Ersatzneubau. Ökologische Aspekte bleiben ebenso unberücksichtigt wie baukulturelle Gesichtspunkte. Insbesondere bei denkmalgeschützten Brücken führt Letzteres immer wieder zu konfliktreichen Abstimmungsprozessen und erheblichen Verzögerungen, an deren Ende in der Regel dennoch einem Neubau der Vorzug gegeben wird. Nicht nur wertvolle Zeugnisse der Ingenieurbaukunst gehen so unwiederbringlich verloren. Auch die Option einer signifikanten Verbesserung der Ökobilanz durch Erhalt statt Ersatz bleibt ungenutzt. Doch längst muss sich Ingenieurhandeln in einem erweiterten Koordinatensystem verorten und legitimieren, in dem neben technischen und ökonomischen auch baukulturelle und vor allem ökologische Werte zu maßgeblichen Einflussgrößen geworden sind. Der Beitrag berichtet über die Entwicklung eines Bewertungssystems, das es ermöglicht, unter Nutzung detaillierter Kriterienkataloge alternative Varianten des Umgangs mit historischen stählernen Bahnbrücken zu formulieren und klar strukturiert gegeneinander abzuwägen. Der erste Teil stellt die Grundlagen des Systems und die darauf aufbauende Entscheidungshilfe vor. Im zweiten Teil wird die Vorgehensweise in zwei Fallstudien konkretisiert.
Around 2500 steel bridges in the Deutsche Bahn network are now more than 100 years old and show defects and damage commensurate with their age. Technical and economic criteria continue to be the main factors determining whether to maintain or replace them. Ecological aspects are ignored, as are aspects of building culture. In the case of listed bridges in particular, the latter repeatedly leads to conflict‐ridden coordination processes and considerable delays, at the end of which preference is usually given to new construction anyway. This means that valuable monuments of engineering are irretrievably lost. The option of significantly improving the ecological balance by preserving rather than replacing them also remains unexploited. However, engineering activities have long had to locate and legitimise themselves in an expanded coordinate system in which, in addition to technical and economic values, structural‐cultural and, above all, ecological values have become decisive influencing factors. This article reports on the development of an evaluation system that makes it possible to formulate alternative options for dealing with historic steel railway bridges using detailed criteria catalogues and to weigh them up against each other in a clearly structured manner. The first part presents the basics of the system and the decision‐making tool based on it. In the second part, the approach is explained in detail in two case studies.
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