Aufsatz - Bauphysik Heft 3/2025
Seite: 182-204
Autoren: Latz, Sebastian, Thewes, Andreas, Delmonte, Branca, Maas, Stefan
Auf dem Weg zur Klimaneutralität spielt die Dekarbonisierung des Gebäudesektors eine entscheidende Rolle. Hierfür werden in Luxemburg stetig die aktuellen EU‐Richtlinien umgesetzt und seit einigen Jahren ist auch ein zu erreichender Mindestwärmedurchgangskoeffizient U bei Sanierungen im luxemburgischen Gebäudeenergiegesetz. Insbesondere bei historischen und geschützten Gebäuden, aber auch bei vielen anderen Bauten mit beispielsweise außen beengten Platzverhältnissen, ist eine Innendämmung oft die einzige Möglichkeit, den Transmissionswärmeverlust durch die Fassade und somit auch die Treibhausgasemissionen zu senken. Auch für diese Art der Dämmmaßnahme sind einzuhaltende Grenzwerte festgelegt. Gleichzeitig herrscht bei vielen Architekten und Ingenieuren jedoch die Sorge, beim Einsatz von Innendämmung Bauschäden zu riskieren und somit die Bausubstanz zu schädigen oder ein ungesundes Raumklima zu fördern. Diese wird häufig durch die „Taupunktverschiebung“ in das Mauerwerk infolge der Innendämmung begründet. Dies entspringt wahrscheinlich den Vereinfachungen des Glaserverfahrens und ist von vielen Planenden verinnerlicht, obwohl in der Praxis durch die Sorptionseigenschaften und die Kapillarität bei korrekter Materialauswahl keine dauerhafte Durchnässung auftritt und auch kein Schimmel wächst. Daraus folgt, dass die innenliegende Dämmung öfter problemlos funktioniert als gedacht. Der vorliegende Aufsatz verdeutlicht, ob und durch welche bauphysikalischen Messungen und Simulationen im Vorfeld eines Innendämmprojektes die Planungssicherheit erhöht werden kann. Ein Schwerpunkt ist der hygrothermische Funktionsnachweis für Natursteinfassaden, bei denen das normbasierte, vereinfachte Nachweisverfahren meistens scheitert, da konservative Annahmen hinterlegt sind, beziehungsweise die Norm von vorneherein diese Anwendung ausschließt, um auf der sicheren Seite zu bleiben. An der Universität Luxemburg wurde im Auftrag der öffentlichen Bauverwaltung (Administration des Bâtiments Publics‐ kurz ABP) ein genereller Leitfaden für Innendämmprojekte entwickelt, um den Architekten und Ingenieuren eine Planungshilfe zu bieten. Dieser ist nachfolgend zusammenfassend dargestellt.
The decarbonisation of the building sector plays a crucial role on the path to climate neutrality. To this end, the current EU directives are constantly being implemented in Luxembourg and for some years now, a minimum heat transmission coefficient U to be achieved for renovations has also been included in the Luxembourg Building Energy Act. Especially in historic and protected buildings, but also in many other buildings with limited space on the outside for example, interior insulation is often the only way to reduce transmission heat losses through the façade and thus also reduce greenhouse gas emissions. Limit values to be complied with are also specified for this type of insulation measure. At the same time, however, many architects and engineers are concerned that the use of interior insulation will risk structural damage and thus damage the building fabric or promote an unhealthy indoor climate. This is often due to the “dew point shift” in the masonry as a result of the interior insulation. This probably arises from the simplifications of the “Glaser”‐method that is internalized by many planners, although in practice very often no permanent wetting occurs and no mold grows due to the sorption properties and capillarity of correctly chosen insulation material. As a result, the internal insulation works more often than expected without any problems. This article clarifies whether and by which building physics measurements and simulations in the preparation phase of an internal insulation project planning reliability can be increased. One focus is on hygrothermal functional verification for natural stone façades, where the standard‐based, simplified verification procedure usually fails because conservative assumptions are deposited or the standards even excludes this application to stay on the save side. At the University of Luxembourg, a general guideline for interior insulation projects has been developed on behalf of the Public Buildings' Administration (Administration des Bâtiments Publics ‐ ABP for short) in order to provide planning aid to architects and engineers. This guideline is summarised hereafter.
23 Seiten
25 €
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